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07.03.2017

Katholische Kirche auf der Höhe

Im Bezirk Hochtaunus wird mit Engagement Neues ausprobiert

Auf der Höhe: In Oberreifenberg liegt die höchste Pfarrei im Bistum Limburg. Foto: privat

Bischof Georg Bätzing besucht auf eintägigen Stippvisiten alle elf Bezirke seines Bistums. Seine Kennenlern-Tour führte ihn am Mittwoch, 15. März, in den Hochtaunus. Einen kleinen Überblick über die katholische Kirche vor Ort gibt dieses Porträt.

HOCHTAUNUS. –  „Auf der Höhe“ ist der katholische Bezirk Hochtaunus in vielerlei Hinsicht. Touristisch wird mit "der Höhe" das Kerngebiet der Taunuslandschaft beworben und Bezirksdekan Paul Lawatsch kann sich mit Blick auf den Kirchort St. Georg in Oberreifenberg zu Recht als Pfarrer der höchsten Pfarrei des Bistums bezeichnen. Innerkirchlich ist der Bezirk mit den hier lebenden rund 53.500 Katholiken ebenfalls „oben“ angekommen: Der bistumsweit laufende Prozess der Neuordnung der seelsorglichen Strukturen ist hier mit der Bildung von vier Pfarreien neuen Typs bereits abgeschlossen. Auch inhaltlich „ist Bewegung in der Sache“ resümiert Bezirksdekan Paul Lawatsch und spricht von der großen Bereitschaft „Neues auszuprobieren“.

Von der Zukunft her denken

Mit dem Visionsprozess in St. Ursula, mit einem Pilotprojekt zur Gemeindeleitung durch Laien, mit Cityseelsorge, einem mobilen Café und vielem mehr gebe es an allen Orten gute Ideen, um die Kirche weiter zu entwickeln, sagt er und  hebt das große Engagement der Seelsorger im Bezirk hervor. „Zahlenmäßig werden wir weniger“, kommentiert er nüchtern die Tatsache, dass der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung auf knapp 24 Prozent gesunken ist. Aber der Blick gehe nach vorne. Mit dem Anspruch, katholische Kirche vor Ort „von der Zukunft her (zu) denken“ hat der Bezirk bereits 2007 als Erster im Bistum Limburg ein eigenes Pastoralkonzept entwickelt, das stetig weiter geschrieben wird. Soziales Engagement, die Arbeit in und mit den Schulen, der Dialog mit der Politik und, neu hinzugekommen, die Bewahrung der  Schöpfung sind die Schwerpunkte, die darin festgehalten sind.

Vertrauensvolle ökumenische Zusammenarbeit

Vieles davon wird in langjährig bewährter ökumenischer Kooperation angegangen. Dazu gehört zum Beispiel das Anliegen, in einem Landkreis mit vielen Einkommensmillionären das Thema „Armut“ immer wieder in den Blick zu rücken. Dass dies unter anderem mit der Ausrichtung des Gesellschaftspolitischen Forums - zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung - seit 2005 öffentlichkeitswirksam gelingt, „liegt an der tragfähigen und vertrauensvollen ökumenischen Zusammenarbeit“, ist Bezirksreferent Christoph Diringer überzeugt: „Wir sprechen in sozialen Fragen mit einer Stimme.“ Auch beim Engagement in der Flüchtlingsarbeit gebe es einen engen ökumenischen Schulterschluss. So werden die Aktiven vor Ort durch eine gemeinsam entwickelte Website sowie durch gemeinsame Fortbildungsangebote unterstützt.

Begleitung im Hospiz St. Barbara

Bei der Qualifizierung von Ehrenamtlichen und Multiplikatoren in der Flüchtlingsarbeit ist auch der Caritasverband Hochtaunus mit im Boot, der im Rahmen der Migrationsdienste auch für die Sozialbetreuung in zwei Gemeinschaftsunterkünften zuständig ist. Mit Sitz in Bad Homburg und Angeboten an sechs Standorten ist die Caritas Hauptakteur in Sachen Sozialpastoral im Bezirk. Unter den  Stichworten Beratung, Betreuung, Pflege, Unterstützung und Begegnung finden sich vielfältige Einrichtungen vom Caritasladen über eine integrative Kindertagesstätte und Sozialstationen bis hin zum Hospiz St. Barbara, in dem seit 2012 Menschen in ihrer letzten Lebensphase liebevoll betreut und begleitet werden.

Misereor Solidaritätsgang

Gewissermaßen ein Urgestein des sozialen Engagements ist der Misereor-Solidaritätsgang, der alle zwei Jahre und am Samstag, 25. März, schon zum elften Mal gemeinsam mit dem Bezirk Main-Taunus veranstaltet wird. Es geht dabei um ein Zeichen der Solidarität ebenso wie um das Erlaufen von Spenden für Misereor-Projekte. Das lange Durchhalten hat sich allemal gelohnt: Seit 1997 wurden auf diese Weise über 300.000 Euro gesammelt. Ziel des Sternmarsches ist nicht ohne Grund Königstein, wo zwei der insgesamt drei katholischen Schulen im Bezirk – dritte ist die Maria-Ward-Schule in Bad Homburg - ansässig sind. Die Schülerinnen und Schüler der St. Angela-Schule und der Bischof Neumann-Schule engagieren sich traditionell sehr im Vorfeld und bei der Organisation der Veranstaltung.

Angebote erreichen 1000 Schüler

Bei über 70 Schulen „vor der Tür“ liegt es nahe, ein besonderes  Augenmerk auf den schulischen Bereich zu haben. Als Kooperationspartner fungieren dabei die zwei in Oberursel ansässigen, aber zugleich auch für den Main-Taunus zuständigen katholischen Fachstellen für Religionspädagogik und Jugend im Taunus. Hier sind die Aktivitäten rund um Religionsunterricht und Schulseelsorge ebenso verortet wie die schulnahe Jugendarbeit, die mit „Tagen der Orientierung“, Seminaren und Projekten pro Schuljahr rund 1000 Schüler erreicht: Junge Leute, die zum überwiegenden Teil in den Kirchengemeinden nicht mehr präsent sind.

Einladung zur kritischen Debatte

Gewissermaßen „auf der Höhe“ – nämlich der aktuellen Diskussion – war der Bezirk zuzeiten der Krise im Bistum Limburg. Als im Herbst 2013 dem damaligen Bischof von Limburg Tebartz-van Elst von Papst Franziskus eine Auszeit gewährt worden war mit noch ungewissem Ausgang, stellte das Bezirksbüro zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung Hochtaunus flugs ein mit über 200 Teilnehmern sehr gut besuchtes Podiumsgespräch auf die Beine, um bewusst „eine kritische Debatte“ zu ermöglichen, so Diringer. Die Einladung dazu stieß wie auch die Folgeveranstaltung zu „Ein Jahr Bistum ohne Bischof“ ein Jahr später auf großes öffentliches Interesse.

Menschen für das Engagement gewinnen

Charakteristisch für den katholischen Bezirk ist nicht zuletzt die Spannung und die Unterschiedlichkeit zwischen den Städten mit – zumindest gefühlt – katholischer Prägung und der Diaspora-Situation auf dem Land. Die Lebenssituation im ländlichen Bereich habe sich überdies sehr geändert, sagt Bezirksdekan Lawatsch, der seit 2004 als Pfarrer im Usinger Land arbeitet. Die meisten Bewohner seien Pendler, sie arbeiteten in Frankfurt und Umgebung. Er erlebe gerade die mittlere Generation als beruflich stark eingespannt mit geringem Freizeitbudget. Das habe  Auswirkungen auf die Kirche. Dass sich trotzdem Menschen zur Mitarbeit gewinnen lassen, zeigen nach den Worten von Bezirksreferent Diringer aktuell die Erfahrungen rund um die Themen Armut und Flüchtlinge: „Es gibt in den Gemeinden ein hohes Engagement von Leuten, die da mitmachen.“ (rei)