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10.11.2017

Ein Anders-Ort für gestresste Grundschüler

Gemeinsames Projekt von Schule und Kirche in Oberursel

"An dieser Schule möchte ich noch mal Kind sein", sprach Juliane Schlaud-Wolf manch einem aus dem Herzen. Fotos: Jochen Reichwein

OBERURSEL/OBERSTEDTEN.- Eine blaue Himmelstapete mit weißen Schäfchenwolken, ein gemütlicher Hängesessel als „Traumschwinger“, helle Tücher, die sich zum runden Zelt schließen lassen, Teppichboden und Kuscheltiere: An der Dornbachschule in Oberstedten ist aus einem hässlichen Abstellraum ein anheimelnder und einladender „Anders-Ort“ geworden. Bei der offiziellen Einweihung am Dienstag, 9. November, machten die Kooperationspartner bei diesem besonderen Projekt – Schule, Hochtaunuskreis, katholische und evangelische Kirche – deutlich, dass ihnen mehr am Herzen lag als nur ein weiteres Angebot unter vielen für die Grundschulkinder an dieser Ganztagsschule. Beim Anders-Ort gehe es ums Mensch-Sein und ums Herz, um „einen Ausgleich für die Seele“, sagte Schulleiter Adrian Späth.

Der Kirche die Tür geöffnet

„Bei uns drehen alle irgendwie am Rad“: Mit diesem Satz von Späth, der auch katholischer Religionslehrer ist, hatte vor drei Jahren alles angefangen. Gesagt hatte er dies eher beiläufig bei einer Fortbildung, zu der die Pfarrei St. Ursula und das Amt für katholische Religionspädagogik im Rahmen von „Schule trifft Pfarrei“ regelmäßig die Religionslehrer aus dem Kreis einladen. „Alle wussten, was er meint“, erinnerte sich Amtsleiterin Juliane Schlaud-Wolf: „Schon die Kleinsten haben den Terminkalender voll“. Die Pfarrei nahm das Anliegen als Aufgabe der Schulpastoral auf. In der Folge sei der Raum gemeinsam „und ohne Konkurrenzen untereinander“ entwickelt worden, berichtete sie, und dankte dem  Schulleiter, „dass Sie der Kirche die Tür geöffnet haben“. Ohne Unterstützung von außen gäbe es das Angebot nicht, revanchierte sich Späth. Von einem „Leuchtturmprojekt“ sprach Pfarrer Karl-Heinz Lerch, Direktor des Kirchlichen Schulamtes Gießen: „Weil lernen können und wissen und klug werden nicht alles ist.“

Ruhe und Geborgenheit

Wie intensiv die Kinder selbst an der Entwicklung beteiligt wurden, stellte die Religionslehrerin und evangelische Schulseelsorgerin Carolin Tschage dar. In Fragebögen und Interviews bekundeten die Sechs- bis Zehnjährigen im Vorfeld, was ihnen fehlt und was sie glücklich macht. Dass der Raum ihre Bedürfnisse nach Ruhe und Geborgenheit offenbar erfüllt, zeigten sie in den vergangenen Wochen, in denen sie den Raum für sich bereits entdeckten: „Wir sind über die Resonanz super begeistert“, freut sich der Schulleiter.

Dankstelle und Klagemauer

Jeweils in der zweiten großen Pause und dreimal in der Woche nach dem Mittagessen können die Kinder hier Bodenbilder mit bunten Steinen und Schnüren legen, auf dem Mp3-Player ruhige Musik hören, vor sich hin träumen oder gemeinsam malen. „Danke, dass ich gesund bin“, hat eines der Kinder an der „Dankstelle“ auf eine Schiefertafel geschrieben. Und den Tod des geliebten Häschens hat ein anderes an der Klagemauer betrauert. Was den  Raum von allen anderen Räumen in diesem Haus unterscheidet, hat der kleine Finn bestens in Worte gefasst: „Man merkt gar nicht, dass man in der  Schule ist.“ (rei)

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