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05.04.2017

Das "Ereignis Christi" überzeugt

Glauben heute leben: Diskussion zum Reformationsjubiläum

Glauben Menschen heute anders? Diese Frage wurde in der Schlosskirche in Bad Homburg thematisiert. Foto: C.Mann/Bistum Limburg.

BAD HOMBURG.- Der Glaube wird nicht untergehen, wenn die Volkskirche verschwindet - dies haben der katholische Stadtdekan in Frankfurt, Johannes zu Eltz, und die Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentages, Ellen Ueberschär, am Montag, 3. April, in Bad Homburg betont. Im Zerbrechen der aktuellen Sozialform Kirche könne sich auch das zeigen, was im Glauben wichtig und wertvoll ist, betonte zu Eltz im Gespräch mit dem Journalisten Meinhard Schmidt-Degenhard. Zu der Podiumsdiskussion mit dem Thema "Die Reformation geht weiter - Religion, Glaube und Bekenntnis in veränderten Zeiten" hatten das Diözesanbildungswerk Limburg sowie die Evangelische Erwachsenenbildung Hessen eingeladen.

Glaube besitzt Kraft, Menschen zu berühren

Der Wandel in der katholischen Kirche ist laut zu Eltz tiefgreifend und erschüttert die Fundamente der Volkskirche: "Die Gemeinde, die Pfarrfamilie, wie wir sie nach ihrer Blütezeit in den 60er Jahren kennengelernt haben, wird es so bald nicht mehr geben", sagte der Stadtdekan. Auch die Vorstellung von der katholischen Kirche als "Societas perfecta", als unerschütterliche Institution, sei lange überkommen. Dennoch sorgt sich der Frankfurter Geistliche nicht um die Zukunft. Menschen seien nicht weniger religiös als früher und würden den Glauben heute individueller verstehen. Er erlebe auch, dass Menschen immer wieder einen Weg mit Jesus Christus beginnen würden. Der Glaube besitze weiter die Kraft, Personen zu berühren. "Da wird es mir auch nicht bange um die Zukunft der Institution Kirche", sagte zu Eltz.

"Ich klebe nicht am Kirchenbild, das wir in Deutschland haben", betonte Ueberschär. Auch in der evangelischen Kirche sei ein Verlust an Glaubenswissen und Glaubenspraxis festzustellen. Sie sehe aber, dass Christen heute stärker als zuvor in Kirche und Glaube verwurzelt seien. Für die in der DDR aufgewachsene Theologin entwickelt sich die "Geschichte Jesu Christi" mit den Menschen weiter. Persönliche Glaubensvorstellungen und Bilder, etwa von der Auferstehung oder dem Himmelreich, seien nicht in Stein gemeißelt, sondern veränderten sich mit der Zeit. "Wir reden in der Kirche sehr wenig über diese Grundfragen", sagte Ueberschär. Ethische Fragen stünden oftmals vor der persönlichen Auseinandersetzung mit diesen Bildern.

Authentizität bei Glaubensvermittlung wichtig

Auch der Frankfurter Stadtdekan sieht in den Pfarreien zu wenig Raum für diese persönlichen Glaubensfragen: "Wir sind sehr viel mit der Organisation der Großpfarreien beschäftigt", meinte er. Dieser "institutionelle Eigensinn" der Kirche dürfe nicht zum Hauptthema von Predigten werden. Zugleich müsse man den einzelnen Menschen in den Blick nehmen und authentisch den Glauben vermitteln. "Die Leute reagieren heute nicht mehr auf eine Schlüssigkeit von Glaubenssätzen." Das "Ereignis Christi", nicht die Glaubenssätze überzeugten.

Die Podiumsdiskussion in der Bad Homburger Schlosskirche bildete den Abschluss einer vierteiligen Veranstaltungsreihe anlässlich des Reformationsjubiläums. Das Thema der Reihe lautete "500 Jahre und kein Ende. Die Reformation geht weiter".

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