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Wohnungsnot gefährdet gesellschaftlichen Zusammenhalt

Wohnungsnot gefährdet gesellschaftlichen Zusammenhalt
Wohnungsnot gefährdet gesellschaftlichen Zusammenhalt
Ein Zimmer auf der Straße: Caritas-Jahreskampagne macht auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum aufmerksam © Caritasverband

Vor einer Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt hat Diözesancaritasdirektor Jörg Klärner beim Jahresempfang des katholischen Bezirks Hochtaunus gewarnt. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum sei als zentrales gesellschaftliches Problem längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagte Klärner am Donnerstag, 27. September, im Gemeindezentrum St. Crutzen. Wohnungsversorgung müsse wieder zu einer Gemeinschaftsaufgabe werden, plädierte er vor rund 65 Gästen aus Kirche, Gesellschaft und Politik. In ihrer Begrüßung hatte die Vorsitzende der Bezirksversammlung, Dr. Ruth Funk, auch auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Bezug genommen und ihre Bestürzung angesichts der jetzt veröffentlichten Studie zum Ausdruck gebracht.

Fehlentscheidungen der Politik

In seinem Vortrag machte der Caritasdirektor im Wesentlichen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen der Politik für die Misere auf dem Wohnungsmarkt verantwortlich. Unter anderem nannte er die bereits 1991 erfolgte Abschaffung der Gemeinnützigkeit von Wohnungsunternehmen und die massive Reduzierung der Förderung von Sozialwohnungen in vielen Städten und Gemeinden. Eine weitere Zäsur bildete seiner Meinung nach der im Rahmen der Föderalismusreform 2006 erfolgte Wechsel der Zuständigkeit für den Wohnungsbau auf die Länderebene.

Dramatische Anstiegszahlen nannte Klärner im Blick auf diejenigen, bei denen das Problem der Wohnungsnot am augenscheinlichsten wird: 52 000 Obdachlose leben bundesweit im Wortsinn auf der Straße, 860 000 Menschen sind ohne eigene Bleibe, untergebracht bei Bekannten oder in Notunterkünften. Die Zahl stieg von 2014 bis 2016 um 150 Prozent, sagte der Referent, wobei er deutlich unterstrich, dass die Zuwanderung von  Geflüchteten die Situation zwar verschärft, aber nicht verursacht habe. Die von ihm aufgelisteten wohnungspolitischen Forderungen der Caritas reichen von einer deutlichen Ausweitung des Wohnungsbaus über Nachverdichtung bis zur Verhinderung von Spekulation und Zweckentfremdung.

Inklusive Quartierskonzepte unterstützen

Auch Kirche und Caritas sind nach seinen Worten in der Pflicht: Sie verfügten über Flächen und Immobilien, die zur Linderung der Wohnungsnot genutzt werden könnten. Insbesonde inklusive Quartierskonzepte sollten von kirchlichen Trägern aktiv unterstützt werden. Die Kirche könnte sich auch als Initiator von „sozialen Gruppenbauvorhaben“ einbringen, schlug der Caritasdirektor vor. Unter den von ihm zum Abschluss präsentierten gelungenen Beispielen nannte er unter anderem ein gemeinschaftliches Wohnprojekt in Kronberg mit dem Gemeinnützigen Siedlunsgwerk (GSW) als Bauherr und das Engagement des Bezirkscaritasverbandes Hochtaunus. Ausdrücklich erwähnt er auch die Empfehlungen des Bezirkssynodalrates an die Pfarrgemeinderäte und Verwaltungsräte im Hochtaunus zum Thema „Bezahlbarer Wohnraum im Bezirk“.

Unter den Teilnehmern des traditionellen Empfangs waren aus der Politik Landrat Ulrich Krebs, die Bürgermeister Gregor Sommer, Hans-Georg Brum und Dr. Stefan Naas, die Kreisbeigeordnete Katrin Hechler, als Vertreter der Evangelischen Kirche unter anderen Präses Peter Vollrath-Kühne und Dekan Michael Tönges-Braungartt. Zahlreiche Schulleiter aus dem Hochtaunuskreis waren der Einladung ebenso gefolgt wie Pfarrgemeinderatsvorsitzende und hauptamtliche Mitarbeiter aus den Pfarreien und aus dem Caritasverband.