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Wie die Blues Brothers: Unterwegs im Auftrag des Herrn
Wie die Blues Brothers: Unterwegs im Auftrag des Herrn

Wie die Blues Brothers: Unterwegs im Auftrag des Herrn

Unverkrampft und überraschend

OBERURSEL.  Die Blues Brothers sind beim Forum St. Ursula zu neuen Ehren gekommen: Zwei der Hauptfiguren des gleichnamigen amerikanischen Films aus den 80ern schmückten das Titelbild des Vortrags von Pfarrer Andreas Unfried und Pastoralreferentin Susanne Degen über „fresh expressions of church“,  neue und überraschende Formen von Kirche. Bei ihrer Studienreise in England, über die die beiden am Dienstag, 16. Januar, berichteten, hatten sie Pioniere wie die Blues Brothers kennengelernt: Menschen, „unterwegs im Auftrag des Herrn“, die ganz neu mit anderen in Beziehung treten, und zwar gerade mit denjenigen, die sich als „de-churched“ oder „non-churched“ empfinden, sich von der Kirche abgewendet haben oder noch nie Kontakt mit ihr hatten.

Weitherzig und unverkrampft

Als Grundhaltungen dieser Bewegung haben die beiden Studienreisenden „Weitherzigkeit und Unverkrampftheit“ ausgemacht. Mission sei dabei ein zentrales Stichwort und die Haltung dazu viel unkomplizierter als hierzulande, nämlich so, wie es der amerikanische Pastor, Theologe und Autor J.D. Greear formuliert habe: “Eine Kirche ohne Sendung, ohne Mission ist nicht wirklich eine Kirche, sondern bloß ein Haufen unfolgsamer Christmenschen, die miteinander abhängen.“ Pioniere würden gesucht, um Menschen, die nicht in die üblichen Strukturen passten, von Gott und Jesus Christus zu erzählen und gemeinsam mit ihnen Kirche zu entwickeln. In diesem Sinne werde es zu einer Gabe, nicht in die vorhandenen Gemeinschaften zu passen: „Weil man dann Gaben mitbringt, die in der jetzigen Kirche noch gar nicht da sind.“

Gehöre dazu - Mache Erfahrungen

Anschaulich berichteten Unfried und Degen von solchen Pionieren, zum Beispiel von dem anglikanischen Priester Ian Mobsby. Er ist nach Peckham gegangen, einem sozialen Brennpunkt in London, um ganz bewusst Kirche neu an diesem Ort zu entwickeln. Sein Ansatz: Eine neue Form des gemeinschaftlichen Lebens mit Menschen ohne Kircherfahrung leben. Unter dem Prinzip „Gehöre dazu - Mache Erfahrung - Fange an zu glauben“ versammelt er Menschen zu einer Gemeinschaft, um neues geistliches Leben („new monasticism“) zu begründen. Ein zweiter ist Harry Steel, ein ordinierter Pastor, von seinem Bischof an genau solche (Kirchen-)Orte geschickt, die kurz vor dem Schließen sind. Er sagt: „Es ist irre, immer wieder dasselbe zu tun und zu erwarten, man bekäme davon andere Ergebnisse.“ - und realisiert Neues in unkonventioneller Art und Weise, unabhängig von Barrieren und Konventionen.

Klecksen, basteln, experimentieren

Als drittes Beispiel wurde die Bewegung der „Messy Church“ vorgestellt, eine Form von Kirche für Kinder und Erwachsene, die Kreativität, Feiern von Gottesdienst und Gastfreundschaft integriert. Es darf ein bisschen chaotisch sein, es darf experimentiert („Blast drei Seifenblasen als Zeichen des Heiligen Geists!“, „Tropft Zitronensaft auf Backnatron, so dass CO2 wie der Heilige Geist entweiche und fangt ihn in Luftballons auf!“), gekleckst, gebastelt und schräg gesungen werden - mit Gottesdienst und anschließendem Essen mit und für die ganze Familie.

Der gemeinsame Ansatz all dieser Projekte bestehe darin, dass sie sich an einem örtlichen Kontext orientierten und vor Ort die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen wahrnähmen. Es gehe nicht darum, sie letztendlich doch wieder in den klassischen Sonntagsgottesdienst der Gemeinde zu integrieren. Die Grundhaltung sei vielmehr: „Unser Glaube ist etwas Heilsames für Dein Leben, lass uns gemeinsam suchen und entwickeln, wie wir das leben können ? dann sind wir auf neue und überraschende Weise gemeinsam Kirche.“

Sehnsucht nach Neuem

Dass es auch hier eine Sehnsucht nach Neuem, Unkonventionellem, nach Leben voll Freude gibt, wurde beim anschließenden Austausch spürbar. Lebhaft diskutierten die Teilnehmer an vier Thementischen über die verschiedenen Projekte und formulierten eigene Wünsche: „Meine Berufung leben“, schrieb einer der Zuhörer auf, ein anderer: „Der Missio Gottes nachgehen bei den Armen, bei Ausgeschlossenen, bei all denen, die fühlen, an keinem Ort/Platz zu passen“. (hs/rei)  

Wer sich über die Fresh Expressions Of Church innerhalb der anglikanischen Kirche informieren will, hat dazu am 26. Februar (14.30-18.00 Uhr) bei einer Veranstaltung im  Wilhelm-Kempf-Haus, Wiesbaden Naurod, Gelegenheit. Anmeldungen im Sekretariat Kirchenentwicklung, Telefon: 06431-295896 oder per Mail: u.voll@bistumBistumLimburglimburg.de. Weitere Informationen unter https://kirchenentwicklung.bistumlimburg.de/home.html.