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Mit Jesus am Küchentisch

Mit Jesus am Küchentisch
Mit Jesus am Küchentisch
Familie Miller beim "Start up" im November in der Kirche in Königstein © Pfarrei Maria Himmelfahrt

Wenn in den Sonntagen nach Ostern 106 Kinder in der Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus nach und nach in den verschiedenen Kirchorten den feierlichen Tag ihrer Erstkommunion begehen, haben sie eine spannende Zeit der Vorbereitung hinter sich. Angefangen hat alles mit einem ungewöhnlichen „Start up“ im November vergangenen Jahres in Königstein. Während der darauffolgenden Monate erhielten die Kommunionkinder und ihre Eltern insgesamt sechs Überraschungspäckchen zum gemeinsamen Auspacken zuhause. Zur Vorbereitung gehörten auch die von Ehrenamtlichen geleiteten Weggottesdienste, die in die Sprache und Symbolik der Liturgie einführten.

"Gott wohnt auch zwischen den Kochtöpfen" (Teresa von Avila)

Ausgangspunkt für das neue Konzept sei der Wunsch gewesen, Familien gute Glaubenserfahrungen zu ermöglichen und sie dabei zu unterstützen, „gemeinsam zu entdecken, wo Gott wohnt“, erklärt Pastoralreferentin Andrea Bargon. Ganz im Sinne eines Ausspruchs der heiligen Teresa von Avila „Gott wohnt auch zwischen den Kochtöpfen“ war die Idee, „sich als Familie am Küchentisch zu versammeln, zu malen und zu basteln, miteinander zu reden und zu beten.“ Gefüllt waren die sechs kleinen Pakete mit Gegenständen in Bezug auf den Glauben, mit Anregungen und Geschichten. In jedem Päckchen lag außerdem ein Kärtchen mit einem Gebet:  Zum Schluss gab´s dazu einen Karabinerhaken in Fischform, um sich ein eigenes kleines Gebetbuch anzulegen.

Beim Öffnen machten die Überraschungsbriefe ihrem Namen alle Ehre: Da fand sich eine Kerze, die mit beigefügtem Wachs verziert werden konnte, ein Tontopf mit Erde und Weizenkörnern, ein weißes Tuch als kleine Tischdecke, ein Brot zum gemeinsamen Essen, ein Grablicht, um an jemanden zu denken, der gestorben ist. Der Brief zum Thema Versöhnung enthielt zerbrochene Fliesen zum Zusammenkleben. Die sichtbaren  Risse sollten nach japanischem Vorbild mit goldener Farbe ausgemalt werden. „Mit der Versöhnung und der Beichte bricht nicht über Nacht eine heile Zeit an. Aber ein Neuanfang ist möglich. Er bestärkt uns, neu auf die Suche zu gehen – auch nach goldenen Spuren“, konnten die Familien dazu im begleitenden Schreiben lesen.

Viel Lob für den fröhlichen Start

Großen Anklang fand der gemeinsame Auftakt: Nach einem Gottesdienst erkundeten Kinder und Eltern elf verschiedene Stationen in Königstein - vom Krankenhaus bis zur Kirche - , allesamt betreut von Mitgliedern der Pfarrei. Im Pfarrbüro – „als einem Ort, an man das Herz ausschütten kann“ – hieß Pfarrer Stefan Peter die kleinen und großen Besucher des Tages willkommen. Auf dem Spielplatz warteten die Pfadfinder, in der Schule stand die Zeit im Mittelpunkt und in der Stadtbücherei konnte am Wort „Gott“ die Kunst des Schönschreibens erprobt werden.  Verbindendes Element war ein kleiner Papphocker, der im Laufe des Tages kreativ gestaltet wurde. „Das ganze Seelsorgeteam war eingebunden“, erzählt Andrea Bargon. Das sei auch eine gute Gelegenheit gewesen, einander und die Pfarrei kennenzulernen.

Von vielen Familien habe sie positive Rückmeldungen bekommen, freut sich die Pastoralreferentin. Der Anfang sei spielerisch und fröhlich gewesen, die Päckchen hätten Anlass zu gemeinsamen Gesprächen geliefert. „Wir haben Kirche anders wahrgenommen“, hieß es unter anderem von den Teilnehmern. Der Kurs sei, so Andrea Bargon, kein fertiges Angebot, sondern im Tun entstanden, als „work in progress“, bei dem es nicht um „Unterricht“ gehe, sondern darum, Gott und Jesus zu entdecken ganz nach dem Motto „Überraschungen hören nicht auf.“