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Mietvertrag, Mittagsruhe und Mülltrennung
Mietvertrag, Mittagsruhe und Mülltrennung

Mietvertrag, Mittagsruhe und Mülltrennung

Zur Miete Wohnen in Deutschland ist kompliziert – und trotzdem in acht Minuten gut erklärbar: Den Beweis dafür hat die Ökumenische Wohnhilfe im Taunus (ÖWH) angetreten. Sie hat einen Erklärfilm für Flüchtlinge produziert, der unter dem Titel „Meine erste Wohnung in Deutschland“ in einfachen Worten und Bildern zeigt, was man wissen muss. Bei der Präsentation des Projektes am Donnerstag, 21. Juni, stellten Vorstand und hauptamtliches Team des Vereins den Jahresbericht 2017 vor und zogen im Blick auf ihre Arbeit eine gute Bilanz. Trotz des angespannten Wohnungsmarktes konnten im vergangenen Jahr 51 Menschen in 26 Wohnungen vermittelt werden. Der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen ist allerdings zugleich größer denn je. Die Zahl der bei der Wohnhilfe gemeldeten Wohnungssuchenden ist mit 723 zum Jahresende um über 50 Prozent gestiegen. Mehr als ein Drittel der Menschen, die händeringend im Main-Taunus eine Wohnung suchen, leben als anerkannte Flüchtlinge in Gemeinschafts- oder sogar bereits in Obdachlosenunterkünften.

Wohnen in Arabisch, Farsi und Pashtu

Genau dieser Zielgruppe sollen mit dem Medium Filn auf niedrigschwellige Weise Informationen an die Hand gegeben werden, die auch für die eigenständige Wohnungssuche wichtig sind. Vom Mietvertrag über die Mittagsruhe bis zur Mülltrennung greift der in Kooperation mit dem Filmemacher Sylvain Dumalin entstandene und vom Bistum Limburg finanzierte Kurzfilm alle Aspekte rund um Mietrecht und Kosten, um Pflichten und Verhalten in der Wohnung auf. Gesprochen in Deutsch gibt es das Video mit Untertiteln in sechs Sprachen: Englisch, Arabisch, Farsi, Pashtu, Urdu und Tigrinya. Es kann über die Homepage der ÖWH oder Youtube abgerufen und kostenlos genutzt werden.

Viele Asylverfahren sind inzwischen abgeschlossen und die anerkannten Flüchtlinge müssen aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen. Um sie  zu unterstützen, ist mit Hilfe des Bistums eine eigene Stelle bei dere Wohnhilfe eingerichtet worden - mit gutem Erfolg.  Sie habe 22 Flüchtlinge in elf Wohnungen vermittelt, berichtete Lea Adam. Auf dem freien Wohnungsmarkt hätten sie wenig Chancen gehabt. Wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist dabei die Unterstützung von Mietern und bei Bedarf Vermietern bei der Bewältigung von Schwierigkeiten und Konflikten, die sich zum Teil aus der unterschiedlichen Herkunft ergäben. "Wir sind auch nach der Vermittlung als Ansprechpartner präsent", betonte sie.

Teilhabe am sozialen Leben

Im Vorwort zum Jahresbericht 2017 meldet sich Bischof Georg Bätzing zu Wort. Er bezeichnet die Frage nach einer gerechten Wohnraumverteilung für alle Einkommensgruppen als eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Die Möglichkeit, eine eigene Wohnung zu haben, sei ein großer Schritt zur Teilhabe am sozialen Leben, schreibt er im Blick auf Geflüchtete. Dass die Anwaltschaft für Menschen in prekären Wohn- und Lebensverhältnissen für die Ökumenische Wohnhilfe weiterhin ein wichtiger Arbeitsauftrag bleibe, versicherte der Vorstandsvorsitzende Günter Adam.

Der Film „Meine erste Wohnung in Deutschland“ steht auf der Homepage der ÖWH unter www.wohnhilfe-taunus.de sowie auf Youtube kostenlos allen Nutzern zur Verfügung.

Seit 25 Jahren engagiert sich die Ökumenische Wohnhilfe im Taunus e.V. für Menschen in Wohnungsnot. Seit 1991 hat die ÖWH im Taunus 651 Wohnungen für 1489 Personen direkt vermitteln können. 18 katholische und 4 evangelische Kirchengemeinden vertrauen der ÖWH als Generalmieter Wohnungen zur Vermittlung an Bedürftige an.