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Alles eine Frage der Haltung

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Alles eine Frage der Haltung
Zettelwirtschaft - Referentin Petra Steeger sorgt beim Ideen sammeln für Struktur © Reichwein/Bistum Limburg
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„Wie wollen wir miteinander umgehen? Was erwartet die Leute, die mit uns zu tun haben?“ Jugendbildungsreferentin Lena Böhlert bringt den abstrakten Begriff des „Verhaltenskodex“ auf den Punkt. Es geht um ein sehr konkretes Anliegen in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit: um Prävention. Seit Februar dieses Jahres arbeitet sie in der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit Taunus (KFJ) mit einer ehrenamtlichen Projektgruppe an einem institutionalisierten Schutzkonzept. Der Auftrag dazu ist von der Präventionsstelle des Bistums im Mai dieses Jahres an alle Pfarreien, Einrichtungen und Verbände ergangen. Dass es auf die scheinbar einfache Ausgangsfrage zwar keine schnellen, griffigen  Antworten gibt, dass aber der Weg dahin schon Teil davon ist, ist wohl die wichtigste Erkenntnis eines Workshops, den die Fachstelle jetzt veranstaltet hat.

Sichere Orte schaffen

„Der Prozess hat einen Wert an sich, es geht nicht um ein Papier zum Abheften, sondern um Beteiligung“, macht Referentin Petra Steeger gleich zum Start weg klar. „Alles eine Frage der Haltung“ lautet die Kernbotschaft der Sozialpädagogin von der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Nordrhein-Westfalen. Das Ziel dabei sei klar: „Wir wollen, dass sich Kinder und Jugendliche bei uns sicher fühlen können – und wenn das nicht der Fall ist, dass ihnen offene Ohren geschenkt werden.“ Ein ernst gemeintes und altersangemessenes Beschwerdesystem ist für sie ebenso unabdingbar wie eine klare und öffentliche Position der Einrichtungen zum Kinderschutz. Kinder und Jugendliche stark machen und ihre Autonomie fördern, ist nach ihren Worten einer der Grundpfeiler der Prävention, die sie unter den Titel. „Wie schaffen wir sichere Orte?“ stellt.

Die eigenen Grenzen kennen

Zu den Erfolgsfaktoren für ein Schutzkonzept gehören für sie Austausch, Transparenz, Achtsamkeit und Offenheit – und immer wieder die kritische Selbstreflexion. Darin üben sich auch die 20 Workshop-Teilnehmer, unter denen alle Zielgruppen der Fachstelle vertreten sind, angefangen bei den eigenen Mitarbeitern, den FSJlern, Praktikanten und dem Ehrenamtsteam über (einen) Hauptamtliche(n) in den Pfarreien bis hin zu Gruppenleitern und Jugendsprechern. Seit sie sich ihrer eigenen Grenzen bewusster sei, habe sie an Selbstbewusstsein und persönlicher Stärke gewonnen, berichtet eine Teilnehmerin, die sich als Mitglied der Projektgruppe schon länger mit der Problematik beschäftigt.

Die eigenen Erfahrungen und Gefühle spielen auch im Blick auf die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz eine große Rolle, stellt die Kleingruppe zum Thema Grenzverletzungen fest. Gerade in vermeintlich harmlosen Situationen wie bei körperbetonten Spielen gelte es, sensibel und wachsam zu sein, ohne sich zu verkrampfen: „Bewusste Natürlichkeit“, ist der Begriff, der dafür gefunden wird. Auf die in der Fragestellung liegende Ambivalenz weist in der späteren Diskussion Fachstellenleiter Daniel Dere hin, der vor einer „Überakzeptanz“ von Grenzen warnt. Gerade bei der Erlebnispädagogik gehe es unter anderem darum, die eigenen Grenzen in Frage zu stellen: Sie zu überschreiten könne einen positiven Lerneffekt haben.

Leitung nur im Team

Teilweise gemischte Gefühle ruft auch die Überlegung hervor, in der Betreuung 1:1 Situationen zu vermeiden. „Das ist eigentlich eine klassische Seelsorgesituation“, lautet der Einwand eines der Hauptamtlichen. Einig sind sich aber alle Anwesenden darin, dass im Blick auf Machtstrukturen und Abhängigkeiten der Grundsatz „Leitung findet nur im Team statt“ unbedingte Geltung hat. Regeln für achtsames Miteinander gemeinsam entwickeln und schriftlich fixieren: Das ist eines der Ergebnisse, die im nächsten Schritt in den jeweiligen Arbeitsbereichen umgesetzt werden sollen. „Alle Teilnehmer haben eine hohe Motivation mitgenommen und den Vorsatz, dem Thema fortlaufend Raum zu geben“, lautet das positive Resümee von Lena Böhlert, die ihrerseits mit der Projektgruppe „am Ball bleiben“ will. Bis Ende des Jahres soll das Schutzkonzept für die Fachstelle fertig sein. Wohl wissend, dass Prävention ein Thema ist, „mit dem man nie fertig ist“. Ebensowenig wie mit der damit einhergehenden Frage: „Wie schulen wir Haltung?“

Weitere Informationen: https://praevention.bistumlimburg.de.  Leiter der Koordinationasstelle Prävention vor sexualisierter Gewalt ist Stephan Menne.